Zahnstein und Folgeerkrankungen

Zahnstein beim Hund - Nein, danke!

Zum Thema PH-Wert im Maul:

In der Maulhöhle versucht der Organismus, einen PH-Wert von 7 einzuhalten.
Pauschal hat Fleisch einen PH-Wert von unter 7, Kohlenhydrate fangen bei deutlich über PH 7 an.
Zahnstein bildende Bakterien werden durch Kohlehydrate ernährt und diese sorgen für Plaque, der Vorstufe des Zahnsteins.
Im Mund befindet sich eine Vielzahl an Bakterien. Besonders gefährlich sind die Bakterien der Gattung Streptococcus mutans, die bei häufiger Zufuhr von Saccharose (Zucker) besonders gut gedeihen. Diese Bakterien bilden auf enzymatischem Weg aus den Kohlehydraten der Nahrung unlösliche Verbindungen, die sich auf der Zahnoberfläche ablagern. Diese Ablagerungen nennt man Plaque - aus der später Zahnstein entsteht.
Die Belagentstehung hängt v. a. mit dem pH-Wert im Mundraum und Speichel zusammen. Der normale pH-Wert im Mundraum beträgt ca. 7 = neutral. Durch das Vergären von Kohlehydraten der Nahrung entstehen Säuren, die den pH-Wert absenken. Auch die Bakterien tragen zu dieser Säurebildung bei.
Sinkt der pH-Wert im Mundraum auf Werte unter 5,7 ab, so entsteht ein saures Milieu; die Zahnsteinbildung der Zähne beginnt. Die Zähne verlieren um so mehr Mineralstoffe, je länger das saure Milieu besteht bzw. der Kontakt der Zähne mit dem sauren Speichel andauert.
Füttere ich meinen Hund roh, ernähre ich diese Bakterien nicht. So unterbinde bzw. reduziere ich deutlich die Bildung des Zahnsteins.

Folgende Hauptfaktoren werden für die Zahnsteinentstehung vermutet:
- Genetik
- Mangelernährung der Hündin während der Tragzeit - Hierdurch erfolgt eine ungenügende Mineralisation der Zähne des Fötus im Mutterleib.
- Kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel - wie Trockenfutter, v. a. niedermolekulare und dadurch leicht vergärbare Zucker wie z. B. Haushaltszucker, Fruchtzucker, Milchzucker, die zur Plaquebildung beitragen und den pH-Wert des Speichels absenken - Lesen Sie dazu den Artikel "Gefahr durch Trockenfutter - nicht artgerechte Ernährung beim Hund".


Zwergpinscherhündin, 9 Jahre alt, Ernährung bisher Trockenfutter und Dosenfutter   4 Monate nach Umstellung auf Rohfütterung ohne Kohlehydrathe (Prey Model Raw) hat sich Zahnstein von ganz alleine gelöst und verschwindet. 
Viele Hundegebisse haben sich nur durch Umstellung des Futters selbst saniert 
Selbst die sehr anfälligen Zähne der Affenpinscher, die ein sehr vielfältiges Gebiss mit Unterbiß und fehlenden Zähnen besitzen sind mit Rohfütterung absolut frei von Zahnstein  

Zahnstein gab es früher nicht...?

Zahnstein ist ein Begriff bei unseren Haustieren, der früher eher selten vorkam.
Erst wenn bei Hunden und Katzen übler Maulgeruch und Futterverweigerung bestand, wurde die Mundhöhle einer genaueren Untersuchung unterzogen.
Katzen erjagten sich ihre Nahrung, Hunde bekamen die Schlachtabfälle bzw. Nahrungsreste, suchten sich Aas oder ähnliches. Diese Rohfleischernährung verhinderte weitgehend die Zahnsteinbildung.

Das hat sich heute geändert: Zahnerkrankungen bei Hunden und Katzen

Hundewelpen kommen zahnlos zur Welt. Erst im Alter von 5-6 Wochen brechen die Milchzähne durch. Insgesamt besteht das Milchgebiss aus 28 Zähnen. Das zweite Gebiss, das sogenannte bleibende Gebiss der erwachsenen Tiere, zählt 42 Zähne.

Der Wechsel vom Milchgebiss zu den bleibenden Zähnen ist im Alter von 6-7 Monaten abgeschlossen. Der Hund verfügt also schon in einem sehr jungen Alter über ein komplettes Gebiss. Als Fleischfresser ist sein Gebiss so angelegt, dass es feste Nahrung (Muskelfleisch, Knorpel, Knochen und Sehnen) zerkleinern kann. Die Wurzeln der Zähne sind dabei doppelt so lang wie die sichtbaren Zahnkronen. Die Zähne bzw. die Zahnwurzel sind über elastische Fasern fest im Kieferknochen verankert. Zwischen dem letzten vorderen Backenzahn des Ober- und dem ersten hinteren Backenzahn des Unterkiefers kommt es bei jeder Kaubewegung zu einer erheblichen Kraftentwicklung. Nicht umsonst sind dies die mächtigsten Zähne des Gebisses, die auch Reißzähne genannt werden. Sie dienen vorrangig dem Zerkleinern der Nahrung. Die Schneidezähne werden nicht nur zum Abnagen von Knochen eingesetzt, sie spielen auch bei der täglichen Körperpflege des Tieres eine nicht unbedeutende Rolle.

Bei Hunden und Katzen stehen Erkrankungen des Zahnhalteapparates im Vordergrund. Sie finden sich bei mehr als 85 % der Hunde und mehr als 70 % der Katzen von über 3 Jahren. (Quelle)


Folgeerkrankungen durch Zahnstein

Die Abwehrprozesse des Körpers gegen die Entzündungsherde an den Zähnen führen zu chronischen Entzündugen der Mandeln mit erhöhter Infektanfälligkeit.
Außerdem können Eiter und Bakterien mit dem Blutstrom aus der Mundhöhle abgeschwemmt werden und Folgeerkrankungenn in anderen Organen verursachen:
Entzündungen von Herzklappen und Herzmuskel, der Nieren oder der Leber, seltener auch der Lunge. Das bedeutet, dass eine Vielzahl der Herzklappenfehler im Alter, aber auch viele Nieren- oder Leberentzündungen von vernachlässigten Zähnen ausgelöst werden! (Quelle)


Und warum füttern wir Kohlenhydrate?

Vielen Tierhaltern ist es gar nicht bewusst, dass sie "nicht artgerechtes Hunde-/Katzenfuter" füttern. Die Futtermittelindustrie und auch Tierärzte erklären den Tierhaltern, dass man nur hochwertiges Futter gebe sollte und somit erhält der Hund alles, was er benötigt. Es ist aber auch sehr viel in dem Futter enthalten, was der Hund nicht braucht: Kohlenhydrate, Stärke, Zucker.
Und obwohl inzwischen viele wissen, dass diese Futtermittel nicht artgerecht sind, werden diese weiter gefüttert. Zahnstein, Magendrehungen, Herzerkrankungen und viele andere Erkrankungen werden akzeptiert???

Es ist eben sehr bequem - einfach einen Hundefuttersack aufzureißen und den Becher bis Linie xy zu füllen und in den Napf damit.


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