Problematik Hundekot

Alle Futterbestandteile, die nicht durch körpereigene oder mikrobielle Prozesse abbaubar sind, werden als Kot über den Enddarm an die Umwelt abgegeben. Der Kot beinhaltet darüber hinaus Sekrete aus den Verdauungsdrüsen, Epithelzellen und Schleim sowie aufgenommene Partikel wie z. B. Haare, die nicht verdaut werden konnten.

Die Häufigkeit und Menge des abgesetzten Kots variiert von Hund zu Hund, da verschiedene Faktoren wie Größe und Rasse des Hundes, Fütterung, Haltungsbedingungen und auch anerzogene Gewohnheiten einwirken.

Futterrationen, die auf hochverdaulichen Bestandteilen wie Fleisch basieren, führen zu einem selteneren Absetzen von Kot als dies bei einer faserreichen Ernährung der Fall wäre.
Im Normalfall wird etwa ein bis zwei Mal pro Tag Kot abgesetzt.

Die Farbe des Kots wird maßgeblich von der Futterzusammensetzung beeinflusst.
Eine ausgewogene Fütterung führt zu dunkelbraunem Kot, während eine vermehrte Fütterung von Knochen oder Milchprodukten den Kot gelblich färbt. Gemüse lässt den Kot dagegen grün, manche Gemüsesorten wie Karotten oder Rote Beete ihn auch rot erscheinen.

Der Geruch des Kots hängt mit der Futterart und der Darmpassagezeit sowie dem Wassergehalt, der üblicherweise zwischen 55 und 75 % liegt, zusammen. Längere Verweildauern im Darm und ein erhöhter Wassergehalt sorgen für zunehmend intensiv, faulig riechenden Kot (MEYER und ZENTEK, 2005).

Als Mitglied der Familie der Carnivoren hat der Hund sehr viel leistungsstärkere Verdauungsenzyme als der Mensch, ist aber nicht in der Lage, pflanzliche Nahrung zu verwerten.
Aus diesem Grund müssen Obst und Gemüse für Hunde künstlich „vorverdaut“ werden, entweder durch Kochen oder durch vitaminschonenderes Pürieren (BÖHM, 2006).

Der Verdauungstrakt ist von verschiedenen Bakterien bevölkert, die zur Normalflora gehören und die Verdauung z. B. durch enzymatischen Stoffabbau unterstützen. Die Anzahl dieser Bakterien nimmt von 105 im Magen bis 109 koloniebildenden Einheiten pro Gramm (KBE/g) im Dickdarm kontinuierlich zu und beträgt im Kot über 1012 KBE/g.

Kommt diese Bakterienflora z. B. durch eine radikale Futterumstellung aus dem Gleichgewicht, ist der Weg für Infektionen geebnet, die sich schlimmstenfalls klinisch manifestieren können (SUTTORP et al., 2004; MEYER und ZENTEK, 2005).

Der pH-Wert innerhalb des Verdauungstrakts schwankt bei Hunden stark. So weist die Magensäure zwischen den Mahlzeiten Werte um sechs auf, während sie abhängig von Futtermenge und -zusammensetzung bei den Mahlzeiten rasch absinken kann.
Tiefstwerte von zwei bis drei werden meist erst einige Stunden nach der Futteraufnahme erreicht.
Im weiteren Verlauf des Verdauungssystems liegt der pH-Wert bei sechs bis sieben, was auch dem Wert des ausgeschiedenen Kots entspricht.
Da die Magensäure bei Hunden viel stärker konzentriert ist als bei anderen Wirbeltieren, sind sie in der Lage, Nahrung zu verwerten, die für andere Wirbeltiere schädlich wäre, wie z. B. angegangenes Fleisch.
Aus diesem Grund kommen bei erwachsenen Hunden rein bakteriell bedingte Verdauungsstörungen relativ selten vor. Selbst bei Salmonellen bedarf es zur Auslösung einer klinisch manifestierten Enteritis einer Mindestinfektionsdosis von 106, gepaart mit zusätzlichen ernährungs- oder gesundheitsbedingten Faktoren.

Infektionen mit Escherichia coli, Campylobacter jejuni oder Clostridium difficile werden noch seltener diagnostiziert.
Clostridium perfringens gehört zur Normalflora des Hundedarms, vereinzelt kann es aber bei der Aufnahme von enterotoxinbildenden Clostridien-Stämmen zu Durchfällen oder Erbrechen kommen.
Viral bedingte Verdauungsstörungen zeigen in der Regel ausgeprägtere Symptome als bakterielle Infektionen und kommen hauptsächlich bei jungen Hunden vor.
Verursacher sind oft Parvo-, Corona- oder Rotaviren.
Dank verbreiteter Prophylaxe kommen parasitär bedingte Verdauungsstörungen, meist ausgelöst durch Giardien, Kokzidien, Spul-, Haken- und Peitschenwürmer, nur noch selten vor (MEYER und ZENTEK, 2005; ROBBIN, 1982).

Der Trend bei der Hundeernährung geht vermehrt zum sog. BARFen ("Bone and Raw Food" oder "Biologisch Artgerechtes Rohes Futter"), also der Fütterung ausschließlich roher Produkte.
Die Palette erstreckt sich dabei von Fleisch, Fett, Innereien und Knochen verschiedener Tiere über Milchprodukte, Eier bis hin zu Obst und Gemüse. Im Gegensatz zu anderen Karnivoren ist eine solche Fütterung beim Hund möglich, da er auf Grund seines anpassungsfähigen Verdauungstraktes nicht auf eine rein tierische Ernährung angewiesen ist. Der genaue Anteil der "gebarften" Hunde lässt sich allerdings nur schwer erfassen, da die Fütterungsform sehr unterschiedlich ausgelegt werden kann (ZORN und STEELE, 2008; MEYER und ZENTEK, 2005).

Da mittlerweile jeder vierte Hund von Allergien betroffen ist, wechseln viele der betroffenen Hundehalter zur Rohfütterung, um ihrem Tier zu helfen.
Neben dem Rückgang von Allergien scheinen die meisten Hunde nach der Futterumstellung zudem widerstandsfähiger gegen Krankheiten zu sein. Ein weiterer positiver Effekt ist die geringere Kotmenge pro Absatz (rund 2/3 weniger als bei der üblichen Trocken- bzw. Dosenfütterung), da bei der Rohfütterung mehr Futterbestandteile verdaut werden können (BIBER, 2006).

Eine hohe Qualität des verfütterten Fleisches ist beim Barfen auf Grund der möglichen Kontamination mit verschiedenen Krankheitserregern, die durch Erhitzen abgetötet werden
würden, unumgänglich.
Durch die steigende Nachfrage wird zunehmend vermeintlich einwandfreies Fleisch aus den Ostblockstaaten importiert.
Dort sind Krankheiten wie die Aujetzki-Krankheit noch nicht ausgerottet und auch die Fleischbeschau unterliegt nicht dem Standard wie hierzulande (ZORN und STEELE, 2008). In einschlägiger Fachliteratur wird deshalb häufig von der Verfütterung jeglicher vom Schwein stammender Produkte, auch in gekochter Form, abgeraten (BÖHM, 2006; SCHÄFER und MESSIKA, 2005).
Andererseits gibt es auch Fachbuchautoren, die sogar die Verfütterung von Rinderföten und
Rindernachgeburten, Hochrisikomaterial im Hinblick auf Neospora caninum, anraten (BIBER, 2006). Bei der Verfütterung roher Eier oder Geflügelfleisch muss die Möglichkeit einer Salmonelleninfektion bedacht werden (MEYER und ZENTEK, 2005).

Verschmutzungen durch Hundekot führen immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Hundehaltern und Landwirten.
In den vergangenen Jahren wurden diese meist hitzigen Diskussionen durch den Parasiten Neospora caninum entfacht, der bei Rindern zu Aborten führen kann. Dass diese Gefahr aber als relativ gering einzustufen ist, zeigt eine Risikobewertung des Friedrich-Löffler-Instituts (SCHARES et al., 2006).
Andere Bakterien und Parasiten, die im Hundekot zu finden sind, haben ein weitaus größeres Infektionspotenzial:
Bei einer parasitologischen Untersuchung von 1.281 Hundekotproben wurde Giardia sp. und sospora sp. in 2,3 %, Toxocara canis in 2,2 %, Ancylostomatidae (Hakenwürmer) in 1,4 %, Taeniidae (Bandwürmer) in 0,8 %, Crenosoma-Larven (Lungenwürmer) in 0,6 % und Capillaria sp., Trichuris vulpis und Hammondia-ähnliche Oocysten in 0,2 % aller Proben gefunden (EPE et al., 2004).
In anderen Arbeiten konnten erhöhte Konzentrationen verschiedener parasitärer Dauerstadien in Boden- und Sandproben von Parkanlangen, Kinderspielplätzen und Hundeflächen nachgewiesen werden, darunter häufig Oocysten des Hundespulwurms Toxocara canis, die auch für den Menschen als Fehlwirt infektiös sind (BAUER, 2006a).
Einige bei Hunden vorkommende Parasiten, die auch andere Tiere und den Menschen infizieren können, sind in Tabelle 1 aufgelistet: dissstefanieschnaufer2014.pdf [4.928 KB] .


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